Wien sehen und sterben


Als Wiener hat man das Privileg, in der lebenswertesten Stadt der Welt zu wohnen. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: man wird diesen Ort niemals als Tourist besuchen können. Das Sisi Museum kennt man als Einheimischer genauso nur vom Hörensagen wie die Spanische Hofreitschule. Um einmal in den Genuss eines Wochenendes in Österreichs Hauptstadt zu kommen, gibt es demnach nur eine Möglichkeit: man muss im Hotel einchecken und Tourist spielen.


Mit dem Linienflug „U4“ beginnt also mein Städtetrip nach Wien. Über die App der Wiener Linien ist zwar keine Sitzplatzreservierung möglich, dafür dauert die Fahrt auch nur zwölf Minuten. Bei der Landstraße steigt eine chinesische Touristen zu, die ebenso viele Stunden im Flieger verbringen musste, um nun auch endlich in der Stadt der Habsburger sein zu dürfen. Am Karlsplatz steige ich aus, in der angeschlossenen Untergrundpassage scheint das pulsierende Herz der Stadt zu schlagen. Vor wenigen Jahren noch haben sich hier die Obdachlosen an kalten Winternächten in ihre Schlafsäcken gekauert, heute holen sich die Touristen Lattes von Starbucks. Von hier ist es nur ein kurzer Fußweg ins gerade neu eröffnete und trotzdem altehrwürdigen