Wenn man Vater wird

Plötzlich ist man Vater. Auch wenn man neun Monate Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten, ist der Übergang zur Vaterrolle kein langsam gleitender. Vielmehr fällt in einer letzten, tief seufzenden Wehe plötzlich ein Kind vor einem auf den Geburtstisch, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der ein Parkschein aus dem Automaten einer Tiefgarage gezogen wird. Es gibt keinen magischeren Moment im Leben als die Geburt des eigenen Sohnes, heißt es. Die Wahrheit ist, dass man sich während einer langen Nacht im Kreissaal fragt wie es sein kann, dass es weder die Evolution, noch der liebe Gott oder zumindest die Wissenschaft bisher geschafft haben, diesen Vorgang etwas weniger schmerzhaft und qualvoll zu gestalten. Auch wenn im Kreißsaal fünf Hebammen, eine Ärztin und ein hilfloser Mann herumstehen, warten in Wahrheit alle nur darauf, dass die Biologie ihren Lauf nimmt und ein Wunder geschieht. Weder das Wissen aus dem jahrelangen Medizinstudium des Personals, noch die vom Vater im Rahmen eines zweitägigen Geburtsvorbereitungskurs erworbenen Kenntnisse scheinen irgendeinen realen Mehrwert mit sich zu bringen. In den Augenblicken nach der Geburt ist die Tragweite des gerade Geschehenen nicht fassbar. Während die letzten Momente des Nicht-Eltern-Daseins verronnen sind, ist man erst einmal nur froh darüber, dass es vorbei